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Accessibility Widgets und Overlays

In der letzten Zeit häufen sich bei uns Anfragen über Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit von Accessibility Widgets und Overlays, deshalb wollen wir von der WACA-Initiative eine Stellungnahme abgeben, damit auch Falschaussagen von Anbietern richtiggestellt werden.

Immer mehr Website-Betreiber binden diverse Hilfs-Tools ein, in der Hoffnung, damit schnell und einfach ihr Angebot barrierefreier zu machen. Dass Overlays kein geeigneter Weg sind, Barrierefreiheit herzustellen, darüber besteht unter Expertinnen und Experten weltweit weitgehend Einigkeit. Vor allem sind Overlays kein Weg, um die gesetzliche Konformität herzustellen - nicht barrierefreie Websites bleiben trotz Overlays nicht barrierefrei. Auch wenn das Marketing vieler Anbieter eine einfache Lösung und Gesetzeskonformität verspricht, dies ist leider nicht der Fall. 
 
Am Markt gibt es unzählige Anbieter, vor allem am amerikanischen Markt. Es gibt hier gute und schlechte Anbieter und Produktlösungen. Erfahrungswerte ob UserInnen diese Tools auch verwenden, gibt es keine. Grundvoraussetzung zur Nutzung ist, dass die Website selbst bereits gut barrierefrei sein muss, da es sich hier um eine Zusatzfunktion handelt und nicht der Quellcode selbst verändert bzw. verbessert wird.
 
Seitens der WACA-Initiative möchten wir von solcher Ergänzungssoftware abraten. Sie macht eine bestehende Website nicht besser zugänglich. Viel einfacher wäre es Barrierefreiheit von Anfang an mitzudenken und auch schon in der Ausschreibung die international gültige Norm WCAG 2.1-AA anzugeben.

  1. Technisch sind Accessibility Overlays ein zusätzlicher Code, der in Websites eingefügt werden kann und teilweise auch mit Künstlicher Intelligenz (KI) funktioniert. Diese legen sich wie ein Filter über eine Website drüber und können dabei die Bedienung mit Screenreadern verschlechtern. Unsere Erfahrung nach, verschlechtert ein Overlay die Screenreader-Tauglichkeit der Website und auch die Bedienbarkeit mit Vergrößerungssoftware wird negativ beeinflusst. Es gibt noch kein Tool oder keine Weblösung am Markt, die eine bestehende Website so verbessert, dass sie für alle Menschen besser zugänglich wird, und schon gar nicht, dass sie alle WCAG-Abweichungen korrigiert. Der Einsatz eines Overlays ist keine Garantie eine gesetzeskonforme Website zu erzeugen.
  2. Accessibility Widgets sind grundsätzlich nicht hinderlich für die Barrierefreiheit einer Website. Sie müssen aber auf jeden Fall tastaturbedienbar sein und/oder für Screenreader ausschaltbar sein, da für diese UserInnen solche Tools keinen Mehrwert bringen. Wichtig ist, dass der Einbau von solchen Tools immer auch noch manuell getestet werden.

 
Sie müssen hier auch die Sichtweise der UserInnen verstehen, wenn sie sich auf jeder Website mit einem neuen Tool anfreunden müssen, nur um diese Website bedienen zu können.
Für alle besser ist, wenn jeder seine eigene assistive Technologie (Screenreader, Vergrößerungssoftware, spezielle Mausgeräte,…) verwendet, weil diese am besten für die Bedürfnisse der UserIn abgestimmt ist. Und wenn eine Website nach den internationalen WCAG Kriterien umgesetzt ist, dann ist sie für alle UserInnen, gleich welche Einschränkung und welche assistive Technologien sie verwenden, optimal zugänglich. 
 
Die International Association of Accessibility Professionals (IAAP) ist der Ansicht, dass Overlays, Plugins oder Widgets niemals den Zugriff auf die Hilfstechnologien der Benutzer, die Auswahl der Browser und/oder Betriebssystemfunktionen behindern dürfen. Genauer gesagt sollten Unternehmen in Bezug auf Overlay-Technologien derzeit keine Marketingsprache verwenden, die andeutet, dass eine Website oder Anwendung für alle Menschen mit Behinderungen vollständig zugänglich gemacht werden kann, indem einfach ein Plugin oder Widget installiert wird, ohne dass zusätzliche Schritte oder Dienste erforderlich sind, siehe auch Overlay Position and Recommendations (accessibilityassociation.org)

Weitere Quellen: